Liebe lohnt sich immer

Julian Barnes: Die einzige Geschichte

Lieber mehr lieben und dafür mehr leiden oder weniger lieben und weniger leiden? Diese Frage stellt Julian Barnes seinem Roman voran - und sie ist für ihn eine rhetorische: Wenn sich schon die Chance einer grossen Liebe ergibt, dann ist sie zu ergreifen, selbst wenn einen danach das Leiden fast zu zerstören droht. Dies ist die Ausgangslage dieses bewegenden neuen Buchs des britischen Autors.

Der Inhalt dieser Geschichte lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Der neunzehnjährige Paul verliebt sich in die fast zwanzig Jahre ältere verheiratete Susan und spuckt damit den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht. Das macht ihm nichts aus, denn er ist überzeugt, mit Susan die Frau seines Lebens gefunden zu haben. Was kümmern einen da die Konventionen? Diese Liebe auch tatsächlich zu leben, erweist sich aber als unüberwindbare Herausforderung. Paul und Susan scheitern.

Die Liebe ist eines der grossen und oft beschriebenen Themen in der Literatur. Julian Barnes fügt dieser Bibliothek der Liebe ein wunderbares neues Buch hinzu. Und klappt man es zu, stimmt man mit Barnes überein: Ja tatsächlich, lieber mehr lieben und dafür mehr leiden.

Julian Barnes, Die einzige Geschichte (Kiepenheuer&Witsch)

 

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Entdecken Sie Doggerland, eine Inselgruppe in der Nordsee, die es schon lange nicht mehr gibt.

Eine alte Lüge erschüttert das Land

Nach dem grossen Austernfest erwacht Kommissarin Karen Eiken Hornby, Ende 40, neben ihrem arroganten Chef in einem Hotel auf. Fast zur gleichen Zeit wird eine Frau in ihrem Haus brutal erschlagen. Das Opfer: die Ex-Frau des Mannes, mit dem Karen gerade die Nacht verbracht hat. Er darf nicht ermitteln, also übernimmt Karen den Fall. Endlich kann sie zeigen, dass sie mehr drauf hat, allerdings muss sie zuerst ein Alibi für ihren Chef finden, die gemeinsame Nacht ist mehr als unangenehm und peinlich.

Sie beginnt mit ihrem Team zu ermitteln und deckt dabei eine alte Lüge auf, die das ganze Land erschüttern wird.

Die Doggerland-Trilogie ist die neuste Entdeckung aus Skandinavien. Das Setting ist speziell, denn Doggerland gibt es nicht mehr. Vor 8'000 Jahren ist die Inselgruppe, die sich in der Nordsee zwischen Grossbritannien und Dänemark befand, versunken. Glaubwürdig lässt Maria Adolfsson die Inseln mit ihren Bewohnern und Bräuchen wieder auferstehen. Kommissarin Karen ist eine authentische, sympathische Figur, die das Potenzial hat, sich weiterzuentwickeln. Ich warte gespannt auf Band 2. 

Maria Adolfsson: Doggerland - Fehltritt  (List Verlag)

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Für kleine und grosse Schwestern im Geiste

150 Jahre Frauenbewegung

Marta Breen (Text) und Jenny Jordahl (Illustrationen) erzählen im Comic-Stil die 150jährige Geschichte der Frauenbewegung. Pointiert und mit feinem Humor treffen wir auf furchtlose Frauen von  Rosa Luxemburg, Emmeline Pankhurst bis Malala Yousafzai.

Ein informativer, geistreicher und unterhaltsamer Appell an uns alle, weiter für Frauenrechte und Gleichberechtigung zu kämpfen.

Breen/ Jordahl: Rebellische Frauen - Women in Battle  erschienen im Elisabeth Sandmann Verlag

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Verwirrung der Gefühle

Von einem unsichtbaren Aussenseiter

Victor, der aus einfachen Verhältnissen stammt, studiert an einer Eliteschule in Paris, wo er sich mehr schlecht als recht zurecht findet. Der Leistungsdruck und die Einsamkeit setzen ihm zu, doch dann trifft er auf Mathieu, mit dem er gelegentlich in der Raucherecke steht. Zwischen den beiden jungen Männern entsteht eine lockere Freundschaft, die jäh beendet wird, als Mathieu in den Tod springt.

Plötzlich hat Victor alle Aufmerksamkeit auf sich, zwischenmenschliche Beziehungen verschieben sich zu seinen Gunsten. Als vermeintlicher Freund des Opfers wird er für alle sichtbar und interessant. Dann tritt Mathieus Vater in sein Leben. Es entsteht eine aussergewöhnliche Beziehung, fast wie Vater und Sohn.

"Ein Winter in Paris" ist eine ruhig erzählte Geschichte. Jean-Philippe Bondel lässt uns tief in die Psyche von Victor eintauchen. Es geht um Zugehörigkeit, Unterschiede zwischen Paris und dem Umland, Leistungsdruck. Was macht der Tod mit den Hinterbliebenen? Wie viel Raum bekommt er? Wie geht das eigene Leben weiter? Zart, fast poetisch, führt uns Blondel an all diese Fragen heran und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Jean-Philippe Blondel: Ein Winter in Paris  (Deuticke Verlag)

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Über Schuld und Liebe

Bloss kein Nazischeiss?

"Ich mache keinen über Nazischeiss. Ich mache einen über Sex." Regie-Student Jonas fährt nach New York, wo er Vorbereitungen für einen Sex-Film treffen soll. Es passiert viel in dieser Zeit. Jonas trifft auf eigenartige Menschen, ausserdem lockt eine aussergewöhnliche Frau namens Nele - die Sommerfrauen. In Deutschland wartet die eifersüchtige Mah - die Winterfrau. Ausserdem will er Tante Paula besuchen, die zwar nicht seine Tante ist, aber für die Familie einst eine wichtige Rolle gespielt hat. Und obwohl er keinen Film über Nazischeiss machen will, wird er unweigerlich mit seiner Familiengeschichte konfrontiert, die zum Zweiten Weltkrieg führt.

Chris Kraus reisst viele Themen an. Er lässt uns in die bizarre Künstlerszene eintauchen, zeigt die Gewalt in den 90er Jahren in New York, die Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit in der eigenen Familie und der Umgang mit den Opfern der damaligen Zeit. Er verlangt viel von seinen Leserinnen und Lesern, bleibt dabei aber unterhaltsam und man hält sich gerne in der Umgebung von Jonas auf. Der Humor kommt nicht zu kurz, aber es gibt auch viele schmerzliche Momente in diesem grossartigen Buch.

Chris Kraus: Sommerfrauen Winterfrauen (Diogenes Verlag)

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